Die Anfänge der Kölner Politikwissenschaft

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Politik kann an der Universität zu Köln auf eine lange Tradition zurückblicken. Kurz nach der Neugründung der Universität übernahm die Rechtswissenschaftliche Fakultät im Jahre 1920 das Seminar für Politik, das bereits an der Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung existiert hatte, und schuf damit den ersten Lehrstuhl für Politik an einer deutschen Universität. Sein erster Direktor wurde Prof. Dr. Fritz Stier-Somlo. Das Seminar wurde auf Bestreben der Nationalsozialisten im Jahre 1934 aufgelöst, die Bestände seiner Bibliothek dem Institut für Zeitungswissenschaft zugeteilt.

Am 1. Oktober 1946 plädiert Prof. Dr. Ernst von Hippel in einer Denkschrift für die Wiedereröffnung dieses Seminars unter dem Namen Seminar für Politik und Staatsphilosophie an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Im Jahre 1950 läßt er allerdings diesen Plan zur Gründung eines besonderen Instituts für Politik zugunsten des Seminars für Staatsphilosophie und Rechtspolitik endgültig fallen.

Ebenfalls 1946 beschließt die Universität, einen Lehrstuhl für Politik einzurichten, den jedoch sowohl die Rechtswissenschaftliche als auch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät für sich beanspruchen. Nachdem dieser Streitpunkt zugunsten der letzteren entschieden war, wurde die Politische Wissenschaft bis zur Besetzung des Lehrstuhls zunächst von Sir Ernest Barker später von Jan Juriaan Schokking und Michael Beresford Foster als Gastprofessoren wahrgenommen.

Erster Lehrstuhlinhaber wird Ende 1951 Prof. Dr. Heinrich A. Brüning, Reichskanzler a.D.. Gleichzeitig entsteht das Seminar für Politische Wissenschaften (ab 1961: Seminar für Politische Wissenschaft), dessen Direktor Prof. Brüning wird, und das noch heute neben dem Forschungsinstitut existiert. Nach seiner Emeritierung am 31.3.1955 nimmt Prof. Brüning den Lehrstuhl vertretungsweise wahr.

Im Jahre 1950 beschließt die UNESCO, ein Institut für Sozialwissenschaften in Deutschland zu gründen. 1951 fällt die Entscheidung für den Standort Köln (gegen Frankfurt/M.), da Universität, Stadt und das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt engagiert und mit materiellen sowie finanziellen Mitteln fördern. Die Aufgaben des unter der Leitung von Prof. Schokking stehenden Institute of Social Sciences sind vornehmlich, die Sozialwissenschaften in Deutschland zu fördern sowie internationale Kontakte zwischen deutschen und ausländischen Wissenschaftlern zu erleichtern. Die Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der empirischen Soziologie, hauptsächlich in der Familien- und Gemeindesoziologie. Ende der fünfziger Jahre kommen politikwissenschaftliche Fragestellungen, insbesondere Europapolitik, hinzu.

Die Gründung des Forschungsinstituts

Das Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft wird am 25. Juni 1960 durch Erlaß des Kultusministers des Landes Nordrhein-Westfalen errichtet. Gebäude und Inventar des bisherigen UNESCO-Institutes gehen durch Beschluß der UNESCO-Stiftung an die Universität zu Köln über und werden dem Forschungsinstitut zur Verfügung gestellt. Zur genaueren Bezeichnung der Aufgaben des Instituts wird dem Namen durch Erlaß des Kultusministers vom 21. Juni 1961 die Bezeichnung "... und Europäische Fragen" hinzugefügt. Sein erster Direktor wurde Prof. Dr. Ferdinand A. Hermens, der 1959 als Nachfolger von Prof. Brüning auf den Lehrstuhl berufen wurde.

Seit dem 1. August 1962 werden die Arbeiten des Forschungsinstituts durch die "Gesellschaft zur Förderung des Forschungsinstituts für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen der Universität zu Köln e.V." unterstützt. Zum ersten Vorsitzenden wird Prof. Dr. Fritz Burgbacher, MdB, zu seinem Stellvertreter Dr. Fritz Schäfer, MdB, gewählt. Beide waren darüber hinaus neben Prof. Dr. Carl-Christoph Schweitzer und Prof. Dr. Karl J. Newman als Gast- bzw. Honorarprofessoren tätig.

Seit 1971 besteht ein zweiter Lehrstuhl für Politische Wissenschaft, den Prof. Dr. Ulrich Matz als Ordinarius übernimmt. Eine weitere Stelle als Wissenschaftlicher Rat und Professor wird für je ein Semester von Prof. Dr. Gerda Zellentin und Prof. Dr. Arnd Morkel, ab 1971 von Prof. Dr. Peter Graf Kielmansegg besetzt.

Nach der Emeritierung von Prof. Hermens 1971 wird Prof. Dr. Hans-Peter Schwarz am 1.10.1973 als sein Nachfolger auf die zweite Direktorenstelle berufen. Mit der Berufung von Prof. Dr. Karl Kaiser am 1.10.1974 auf die bisher vakante H-3-Professur sind zum ersten Mal seit der Ausweitung des Stellenplanes alle Stellen besetzt.

Am 31. März 1985 nimmt Prof. Dr. Graf Kielmansegg einen Ruf an die Universität Mannheim an; sein Nachfolger wird am 1. Oktober 1986 Prof. Dr. Karl Schmitt. Prof. Schwarz nimmt zum 31. März 1987 einen Ruf an die Universität Bonn an; sein Nachfolger wird Prof. Dr. Werner Link am 2. April 1990.

Das Institut heute

Am 1. Oktober 1992 nimmt Prof. Dr. Kaiser einen Ruf an die Universität Bonn an. Sein Nachfolger wird am 1. September 1995 Prof. Dr. Wolfgang Leidhold. Am 1. Oktober 1993 nimmt Prof. Dr. Schmitt einen Ruf an die Universität Jena an. Sein Nachfolger wird am 1. April 1994 Prof. Dr. Wolfgang Wessels. Im Oktober 1999 tritt Prof. Dr. Thomas Jäger die Nachfolge von Prof. Dr. Werner Link als Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an, und im Mai 2003 wird Prof. Dr. André Kaiser zum Nachfolger von Prof. Dr. Ulrich Matz berufen. Der Lehrstuhl erhält die offizielle Bezeichnung: Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft. Mit der Berufung von Prof. Dr. Christine Trampusch zur Inhaberin des Lehrstuhls für International Vergleichende Politische Ökonomie und Wirtschaftssoziologie wird das Institut zum 1. Juli 2011 erstmals durch eine Professorin verstärkt. 

Die fünf Professorinnen und Professoren des Instituts prägen seither durch ihre spezifischen Lehr- und Forschungsinteressen das akademische Angebot und die Außenwirkung des Instituts.